Menswear: das Militär und sein Einfluss auf die Mode

On 2. Dezember 2016 by Schoene Fashonwelt Redaktion

Wozu ist der Krieg gut? Richtig, zu nichts. Überhaupt nichts, um ehrlich zu sein. Die meisten Menschen unter uns möchten nichts mit dem Militär und dem damit verbundenen Dienst an der Waffe zu tun haben. Eines lässt sich allerdings nicht leugnen: so gut wie alles, was wir heute an Kleidung an unseren Körpern tragen, hat seinen Ursprung im Militär. Das ist vielleicht etwas weit ausgeholt, aber Experten sind sich bei einer Sache einig. Wenn es das Militär und Kriege nie gegeben hätte, würden wir heute wahrscheinlich immer noch in Anzügen und Kleidern durch das Leben schreiten. Deshalb ist es interessant, einmal genauer hinzuschauen und sich des massiven Einflusses des Militär auf die Modewelt bewusst zu werden. Was fing wo an? Was sah man wo zum ersten Mal? Wir klären euch auf!

 

whitetshirt-1Das weiße T-Shirt.

Man kann sich nur schwer vorstellen, was wäre, wenn es die wohl wichtigste, in Baumwolle genähte Stilikone der Menswear nicht geben würde. Der ultimative Klassiker in Form des weißen Shirts mit rund geschnittenem Kragen und kurzen Ärmeln hat seinen Ursprung bei der US-amerikanischen Navy, um das Jahr 1910. Später fand es dann auch Einzug in die Army – und von dort aus startete der so zeitlose Klassiker seinen Siegeszug durch die ganze Welt. Stellt euch Persönlichkeiten wie James Dean, Marlon Brando oder David Beckham ohne weiße T-Shirts vor. Geht nur schwer, richtig? Und aus diesem Grund wird ein weißes Tshirt nie aus der Mode kommen, denn durch seine Minimalistik unterstreicht es ganz locker die Männlichkeit.

 

Chinos.

Verlassen wir die Shirts und gehen wir über zum Beinkleid des modernen Mannes. Wenn man es leicht sportlich, smart, gleichzeitig aber auch entspannt angehen möchte, ist keine Hose so gut wie die gute, alte Chino. Bevor diese Hose jedoch auf dem Campus amerikanischer Universitäten getragen wurde, war sie ein fester Bestandteil der militärischen Ausrüstung – sprich, man hat in ihr gekämpft. Farblich startete alles mit Khaki, was seinen Grund in der Stationierung britischer Streitkräfte in Indien hatte. Man sollte in den indischen Landen nicht auffallen. Heutzutage trägt eine Chino nur noch wenig dazu bei, nicht aufzufallen. Vielmehr steht sie heute für einen festen, zeitlosen Bestandteil unserer alltäglichen Mode.

 

pilotwatch-1Die Pilotenuhr.

Okay, kommen wir nun zu einem Accessoire, bei dessen Ursprung wir nicht sofort vom Glauben abfallen und uns fragen, warum es wohl seine Anfänge beim Militär hatte. Heute tragen wir die Pilotenuhr als stylisches Zeiteisen und Prestigeobjekt zugleich – früher hingegen trug man sie des puren Nutzens Willen. Die erste Pilotenuhr wurde im Jahre 1904 von Louis Cartier entworfen, der seinem Freund Alberto Santos – einem Pionier der Luftfahrt – ein nützliches Utensil bereitstellen wollte, mit dem er auch in der Luft schnell und leicht die Zeit ablesen konnte. Nach ein paar Jahren entwickelte sich die Pilotenuhr dann auch in sämtlichen Bereichen des Militär zu einem wichtigen Accessoire, bis sie dann letztendlich den Sprung in die Fashionwelt schaffte.

 

Die Outerwear.

Nahezu jeder nur erdenkliche Style der heutigen Outerwear musste seine Feuertaufe zuerst im Krieg bestehen. Schauen wir uns nun die vier der wohl der bekanntesten Outerwear-Teile an. Der Parka wurde zum Beispiel keineswegs von den beiden Oasis-Brüdern Noel und Liam Gallagher erfunden, sondern vom amerikanischen Militär, dass seine Soldaten während des Korea-Krieges warm halte wollte. Gleichermaßen wurde auch die Fliegerjacke – ebenfalls als Bomberjacke bekannt – aus demselben Grund geschneidert. Die Piloten der damals noch sehr schäbig isolierten Kampfflugzeuge sollten vor Unterkühlung geschützt werden; denn schön warm eingepackt kämpft es sich natürlich besser. Wie zynisch das klingt. Als nächstes kam dann der wasserdichte Trenchcoat, der, wie soll es auch anders sein, für den Einsatz in den Schützengräben (Englisch: trenches) geschneidert wurde. Wir können uns heute nur schwer vorstellen, unter welchen Bedingungen damals gekämpft wurde. Vor allem in den Schützengräben war es unglaublich nass und kalt. Aus diesem Grund hielt man es für notwendig, einen langen Mantel zu entwerfen, der wasserdicht und windfest sein sollte. Das war die Geburtsstunde des Trenchcoats. Am Ende er Outwear-Hitlist steht dann noch die Feldjacke auf dem Programm, die mit Ihren großen Knöpfen und Taschen perfekt für den Einsatz auf dem Schlachtfeld war. In den riesigen, auf der Vorderseite aufgenähten Taschen fand sich allerhand Platz für verschiedene Utensilien, die für den Kampf der Bodentruppen unerlässlich waren.

 

Aus heutiger Sicht betrachtet haben all diese Teile eine mitunter sehr dunkle Vergangenheit. Doch ist es dabei umso besser, dass den Klamotten des Krieges ihre Angst einflößende Konnotation Stück für Stück genommen wurde, in dem sie auch vom allgemeinen Jedermann getragen wird und nicht nur von eingefleischten Militär-Fans. Ob wir später allerdings mit kugelsicheren Westen, Nachtsichtgeräten und ballistischen Helmen über die Fußgängerzonen der Großstädte flanieren werden, das lassen wir nun einfach mal offen. Wir werden sehen.

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